20 April 2011

Pressemitteilung

DESERTEC Foundation appelliert an die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung

Hamburg, 20.04.2011 - Die Bundesregierung ist aufgrund der verheerenden Ereignisse in Japan dabei, ihre Energiepolitik maßgeblich zu überdenken. Die DESERTEC Foundation begrüßt die Entscheidung der Bundeskanzlerin, eine Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung einzusetzen. Zur Unterstützung der Entscheidungsfindung für einen vertretbaren ethisch-gesellschaftlichen Konsens und zur Beschleunigung der Energiewende, empfiehlt die DESERTEC Foundation, folgende Punkte zu berücksichtigen:

 

Der Atom- und Kohleausstieg wird nicht teurer sondern billiger als ein "weiter so"

In den letzten Tagen wird öffentlich abgewogen, was ein Mehr an Sicherheit und damit der Schutz von Menschenleben kosten darf. Doch der Atom- und Kohleausstieg wird mittelfristig nicht teurer sondern billiger als ein "weiter so". Die aktuelle Studie „Was Strom wirklich kostet“, die vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace-Energy durchgeführt wurde, kommt in diesem Zusammenhang zu einem eindeutigen Ergebnis: Die auf Natur und Bevölkerung abgewälzten unsichtbaren Kosten fossiler und nuklearer Energieträger sind bei weitem höher als die, die auf unserer Stromrechnung stehen. Eine Stromrechnung, die alle Kosten der fossilen und nuklearen Energieträger berücksichtigt, wäre kaum bezahlbar.

 

Atom- und Klimasicherheit kann man nur durch internationale Kooperation erreichen

Um sich vor atomaren Katastrophen zu schützen und die globale Erwärmung rechtzeitig zu stoppen, genügt es nicht, nur die eigene nationale Energieversorgung umweltfreundlich zu gestalten. Reaktorunfälle in Nachbarländern bergen ebenfalls Gefahren für Deutschland. Und für die Atmosphäre und den Klimaschutz ist es unerheblich, wo CO2-Emissionen entstehen oder vermieden werden – letztlich ist die Gesamtgeschwindigkeit der globalen CO2-Reduktion ausschlaggebend. Um ihrer ethischen Verantwortung nachzukommen, sollte die Bundesregierung in internationalen Gremien klar Position beziehen und gangbare Alternativen aufzeigen – Alternativen wie das Wüstenstrom-Konzept DESERTEC.

 

Die besten Standorte bieten den größten Nutzen für den Klimaschutz

Internationale Zusammenarbeit bei der Erschließung erneuerbarer Energien bietet einen schnelleren und günstigeren Ausstieg aus fossilen und nuklearen Energieträgern, als eine rein nationale Lösung. Denn Investitionen in erneuerbare Energien bieten an den ergiebigsten Standorten den größten Nutzen für den Klimaschutz: Mit denselben Anlagen kann dort mehr sauberer Strom produziert und somit mehr schmutziger Strom vermieden werden, als an weniger geeigneten Standorten. Aus diesem Grund spielen die sonnenreichen Wüsten der Erde eine besondere Rolle im DESERTEC-Konzept. Die Einbindung der besten Standorte durch ein verlustarmes Hochspannungs-Gleichstrom-Netz ermöglicht eine wirtschaftliche, sichere und nachhaltige Versorgung mit sauberem Strom.

 

Ethische Energiepolitik ist auch Nachbarschafts- und Sicherheitspolitik

Saubere Stromimporte ergänzen den heimischen Energiemix und verringern das Versorgungsrisiko, da die Ausweichmöglichkeiten mit jeder neuen Handelsverbindung zunehmen. Für unsere Nachbarn südlich des Mittelmeeres bieten die entwicklungspolitischen Perspektiven des Wüstenstrom-Konzeptes DESERTEC eine Verbesserung der Lebensbedingungen und eine Entschärfung des Migrationsdrucks: In den Standortregionen entstehen nicht nur Arbeitsplätze im Bau und Betrieb der Kraftwerke, sondern auch Möglichkeiten für ansässige Unternehmen Teile oder gar die gesamte Wertschöpfungskette zu übernehmen. Ebenso profitieren die Standortregionen durch Exporterlöse, Einsparpotenziale beim Eigenverbrauch fossiler Brennstoffe sowie saubere und unerschöpfliche Energie zur Trinkwassergewinnung durch Meerwasserentsalzung. Die Erzeugung von und der Handel mit sauberem Strom bietet diesen Ländern die Chance, eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und damit eine Grundlage für dauerhafte Stabilität zu schaffen. 

 

 

Weitere Informationen

 

Über die DESERTEC Foundation:

Das Wüstenstrom-Konzept DESERTEC wurde von einem Netzwerk von Politikern, Wissenschaftlern und Ökonomen rund um das Mittelmeer entwickelt, aus dem die in Hamburg ansässige DESERTEC Foundation hervorgegangen ist. Die gemeinnützige Stiftung DESERTEC Foundation setzt sich für eine schnelle Umsetzung ihres Wüstenstrom-Konzeptes in allen geeigneten Regionen der Welt ein. Im Jahr 2009 gewann das DESERTEC-Konzept große Aufmerksamkeit, als die DESERTEC Foundation die Industrie-Initiative Dii GmbH zusammen mit Partnern aus der Industrie- und Finanzwelt gründete. Die Dii hat das Ziel, Rahmenbedingungen für eine schnelle Umsetzung des DESERTEC-Konzeptes in der Mittelmeerregion zu schaffen.

Mehr Informationen: www.DESERTEC.org/de 

 

Studie „Was Strom wirklich kostet“:

www.greenpeace-energy.de/presse

www.foes.de/pdf/2011_FOES_Vergleich_Foerderungen_lang.pdf