Technologie

 → Innerhalb von 6 Stunden strahlt mehr Sonnenenergie auf die Wüsten dieser Erde als die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht. Dies macht es möglich, die Menschheit mit ausreichend Energie auf nachhaltiger Basis zu versorgen. Das DESERTEC-Konzept wirbt für einen massiven Ausbau an Wind- und vor allem Sonnenenergie in den Wüsten dieser Welt um diese in einen intelligenten Mix aus Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie einzubinden.

Parabol-Spiegel

Solar Turm

Die Technologie hinter Wüstenstrom

Im Gegensatz zu Kernfusion oder Superbatterien ist die Technologie für den Wüstenstrom bereits in der praktischen Anwendung. Zwar gibt es auch hier selbstverständlich noch Fortschritte, aber der aktuelle Stand der Technik ist bereits reif für die Anwendung. So sind die beiden Schlüsseltechnologien von Wüstenstrom, Solarthermiekraftwerke und Hochspannungs-Gleichstromleitungen, schon lange in der praktischen Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

Solarthermiekraftwerke

Es gibt viele Möglichkeiten die Energie der Wüste nutzbar zu machen. Für den Energiemarkt am attraktivsten sind Solarthermiekraftwerke. Diese können 24 Stunden, jeden Tag  Grundlast im Gigawattbereich ohne große Schwankungen liefern. Durch gleich mehrere Sicherheitsmechanismen sind sie genauso zuverlässig wie ein konventionelles Kraftwerk. 

Sie funktionieren auch wie ein konventionelles Kraftwerk nur das anstatt mit fossilen Brennstoffen mit der Sonne der Wasserdampf für die Turbinen erzeugt wird. Zu diesem Zweck wir das Sonnenlicht gebündelt. Daher spricht man auch von CSP-Kraftwerken (CSP = Concentrated Solar Power = Konzentrierte Sonnen-Energie). 

Würde man ein großes Solarthermiekraftwerk bauen, um die ganze Welt mit Strom zu versorgen, würde es nicht einmal 1% der Fläche der Sahara bedecken! 

Gebündelte Sonnenenergie

Um das Sonnenlicht zu bündeln nutzt man entweder Parabolrinnen mit Spiegeln in Halbmondform oder richtet sehr viele Spiegel auf einen zentralen Turm. Das konzentrierte Licht fällt auf eine Röhre durch die ein spezielles Öl gepumpt wird. Dieses Öl kann mehr Energie aufnehmen als Wasser. In einem Wärmetauscher wird mit dem heißen Öl Wasserdampf erzeugt um eine Turbine anzutreiben. Manche Konzepte erzeugen auch direkt Wasserdampf. Da eine Turbine sich durch ihr hohes Gewicht auch bei kurzen Unterbrechungen des Antriebes eine Weile weiterdreht, ist das schwankungsfreie Produzieren von Wüstenstrom sehr leicht. 

Endlich sichere und erneuerbare Grundlast!

Ein Teil des erhitzenden Öls wird in ein großes Silo mit Salz geleitet. Dieses schmilzt und speichert ungeheure Mengen an Energie bis zu einem Zeitraum von mehreren Tagen. Diese gespeicherte Hitze macht es möglich das größte Problem von Sonnenenergie zu lösen: Die Nacht. In den Silos wird genug thermische Energie gespeichert um das Kraftwerk auch nachts weiterlaufen zu lassen. Auch erleichtern die Salztanks den vollen Betrieb bei Wartungsarbeiten oder den in Wüsten sehr seltenen bewölkten Tagen. Für Extremfälle kann ein Gasbrenner zugeschaltet werden, der mit Biogas oder Wasserstoff läuft. 

Entgegen der allgemeinen Vorstellung ist ein Großteil der Sahara nicht von Sand bedeckt. Die meiste Fläche ist karger Stein. Somit sind Sandstürme und Wanderdünen kein Problem für die Anlagen. Sollte doch ein Sandsturm die Anlage treffen, können die Spiegel in eine Schutzposition bewegt werden. 

Abfallprodukt Trinkwasser

Das für das Kraftwerk benötigte Wasser ist in der Wüste kein Problem. Der Dampf wird luftgekühlt oder kann mit Meerwasser zur Kondensation gebracht werden. So entsteht ein geschlossener Kreislauf. Das Meerwasser verdunstet durch die aufgenommene Abwärme und kann separat kondensiert werden. Als „Abfallprodukt“ hat man Trinkwasser. 

Gleichstromleitungen

Um den Wüstenstrom z.B. nach Deutschland zu bringen bieten sich Gleichstrom-Leitungen an. Bei diesen entfällt der induktive und kapazitive Wiederstand, der bei den klassischen Wechselstromleitungen für große Verluste sorgt. Somit lässt sich über eine Leitung von 3000 Kilometer (ca. Sahara-Deutschland) ein Verlust von unter 10 % realisieren. Auch können Gleichstromleitungen wie Pipelines bodennah verlegt werden und die Leitungen müssen nicht auf Strommasten getrennt voneinander laufen. Die Wechselstromleitungen würden sich ohne Abstand gegenseitig stören und Metallobjekte in ihrer Nähe würden sich durch Induktion erhitzen. Daher werden schon jetzt Gleichstromleitung vielfach in Europa angewendet, um z.B. Inseln mit dem Festland zu verbinden oder das skandinavische Stromnetz mit dem zentraleuropäischen Stromnetz mit Unterseekabeln über die Nord- und Ostsee zu verbinden. 

Warum werden dann nicht schon jetzt überall Gleichstromleitungen eingesetzt? Bisher konnte man leider nicht Gleichstrom mit hohen Spannungen produzieren und vor allem nicht einfach in Wechselstrom umwandeln. 

Die hohen Spannungen brauchen wir, um ohne große Verluste Strom über große Distanzen transportieren zu können. 

Den Wechselstrom benötigen wir für unsere Haushalte, da verschiedene Geräte verschiedene Spannungen brauchen. Nur bei Wechselstrom kann man ohne großen Aufwand mit Transformatoren die Spannungen an die jeweilige Anwendung anpassen.  So kann ein einfaches Handyladekabel die 240 Volt aus der Steckdose auf 5 Volt für unser Handy runtertransformieren. Mit Gleichstrom geht das nicht so leicht. 

Gibt es eine Möglichkeit die Vorteile von beiden zu nutzen ohne das gesamte Stromnetz aufwendig umbauen zu müssen? 

Zum Glück werden durch die Abschaltung von Atom- und Kohlekraftwerken große Umspannwerke frei. Zu diesen können wir die Gleichstromleitung legen. Da diese kompakt und bodennah verlegt werden können besteht nicht das klassische Problem mit dem Trassenbau. In diesen Umspannwerken kann der Gleichstrom dann in Wechselstrom umgewandelt werden. Diese Technologie hat sich massiv weiterentwickelt.  So können wir mit Gleichstrom den Wüstenstrom nach Deutschland bringen und trotzdem wie gewohnt die Vorteile vom Wechselstrom im Alltag nutzen. 

Grüner Wasserstoff

Wasserstoff ist ein vielseitig einsetzbarer Energieträger. Er kann wie Erdgas in Kraftwerken verbrannt werden, als Treibstoff für Flugzeuge in Turbinen eingesetzt oder in Brennstoffzellen zur Stromgewinnung verbrannt werden. 

Mythos Wasserstoff

Entgegen der weitverbreiteten Ansicht ist Wasserstofftechnologie keine futuristische und gefährliche Anwendung. Seit fast hundert Jahren wird Wasserstoff in der Chemieindustrie im gigantischen Maßstab, vor allem bei der Düngerproduktion, eingesetzt. 

Auch in Raketen, U-Booten, Flugzeugen und Autos, aber auch Heizungen wird Wasserstoff eingesetzt.

Dass Wasserstoff ein sehr kleines Atom ist heißt noch lange nicht, dass das Wasserstoffgas (H2) magisch durch Barrieren schlupfen kann. All die oben genannten Anwendungen haben kein Problem damit, den Wasserstoff nicht an die Umgebung zu verlieren. 

Auch das Risiko von Explosionen ist nicht höher als bei konventionellen Anwendungen. Kaum jemand hat ein Problem damit, dass eine Erdgasleitung ins eigene Haus führt oder das im eigenen Auto mehrere Dutzend Liter hochbrennbares Benzin oder Diesel lauern. Das für die berühmten Knallgasexplosionen notwendigen Mischungsverhältnis von 33,33% reinem Sauerstoff zu  66,66% reinem Wasserstoff ist in der Erdatmosphäre mit 21 % Sauerstoffanteil unmöglich zu erreichen. 

Auch die Wasserstofftanks wurden verschiedensten Proben wie ins Feuer legen, von einem Lastkraftwagen anfahren lassen und mit Gewehren beschießen unterzogen. Alle Proben wurden bestanden und zeigten eine Überlegenheit zu klassischen Benzintanks, da Wasserstofftanks in Gefahrensituationen ihren Brennstoff schnell in die Atmosphäre abgeben können und so keine brennbaren Flüssigkeiten auslaufen  und so am Unfallort verbleiben. 

Für alle oben genannten Anwendungen sind die Tanks und andere Komponenten durch den TÜV gekommen. 

Herstellung von Wasserstoff

Bisher wird Wasserstoff meist aus Erdgas gewonnen. Grundsätzlich lassen sich viele Kohlenwasserstoffe dafür nehmen, hier wird Methan als Beispiel genommen. 

Das Methan (CH4)  im Erdgas wird mit Wasser (H2O)erhitzt und unter hohem Druck reagieren der Wasserdampf und das Methan zu Wasserstoff (H2) und Kohlenmonooxid (CO). Dieses Verfahren nennt man Dampfreformation. Das entstandene Kohlenmonooxid kann als Brennstoff zu Kohlendioxid (CO2) verbrannt werden. Damit hat man zwar reinen Wasserstoff für chemische Reaktionen, aber Kohlendioxid hat man nicht gespart. 

Anders läuft es bei der Elektrolyse. Hier wird Wasser genommen und mit Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Dafür müssen lediglich zwei Metallstäbe unter Strom stehen und in ein Becken mit Wasser gehalten werden. 

Den  Wüstenstrom kann man wunderbar dafür nehmen. Der Wasserstoff lässt sich dann wie Erdgas mit Schiffen um die Welt transportieren und für Flugzeuge, Schiffe, Autos, Züge, aber auch Kraftwerke und Heizungen zur Verfügung stellen.